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Bella Italia


Kategorie: Bewerbe
Datum: 11.09.2007

Bewerbe

Elisabeth Gruber ist Weltmeisterin

Die WM 2007 der allgemeinen Klasse war (fast) eine deutsche Angelegenheit! Mannschaftsgold bei Damen und Herren, Herreneinzelfinale – alles durch die Blauleiberln okkupiert. Fast alles, denn eine kleine blonde österreichische Bastion hielt dagegen und die Minigolfwelt atmet auf ….

Nach mehrjähriger Pause merkte man den deutschen Herren schon im Training die Motivation an, mal wieder den Ton anzugeben. Es wurde noch ein bisserl mehr trainiert, der Nationencup wurde dem Ball-  und Linientest geopfert und wir wollen eigentlich gar nicht wissen, wie viele Trainingstage sie zwischen Nationencup und WM zusätzlich in Canegrate investiert haben, um die Mission Gold nach fünf „erfolglosen Jahren“ wieder mal zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

Im heimischen Herren-Lager war die Erwartungshaltung schon etwas gedämpfter, war doch das eine oder andere Teammitglied bei der WM zum ersten Mal in Canegrate; dies wurde aber mit zusätzlichen Trainingstagen auszugleichen versucht, um Medaillenchancen zu verbessern. Schweden und Schweiz waren als absolut Top einzustufen und auf der Heimanlage waren auch die Italiener ein heißer Medaillenkandidat. Die Trainingsphase verlief gut, Bälle und Linien brauchten den Vergleich mit den anderen Nationen keineswegs scheuen, nur die Trainingsresultate waren bei dem einen oder anderen noch nicht zufrieden stellend.

Deutsche Herrenmannschaft überragend
Der Bewerb für Österreich startet mäßig und bald hatten wir einen Rückstand zu beklagen, der aber nie allzu groß wurde. Ganz anders unsere nördlichen Nachbarn: voll Energie und mit einem toll aufspielenden Harald Erlbruch stellte sich schon nach dem 1. Bewerbstag die Frage nach Gold nicht mehr.
Am 2. Tag konnten wir mit einer tollen Doppelrunde nicht nur wieder Anschluss an die vor uns liegenden Teams finden, wir setzten uns sogar auf den dritten Rang, nur wenige Schläge hinter den zweitplatzierten Schweden.

Ein kleiner Wehrmutstropfen an dieser Stelle: Unser bester Mann war Ersatzspieler (Christian Freilach). Leider war genau das aus dem Training nicht herauszulesen, andererseits konnte man sich auch denken: „Wir können bei Bedarf noch zulegen!“



Dazu kam es aber nicht. Am Mannschaftsfinaltag kamen wir auf Beton alle nicht richtig in die Gänge. Keine Ass-Serien und entsprechend ruhiges, zu ruhiges Spiel der Österreicher. Ich brauchte (als Schlussspieler) den Blick nach meiner Betonrunde auf die Mannschaftstafel gar nicht mehr zu machen um zu wissen, dieser Zug war abgefahren. Zu stark agierten aber auch Schweiz und Schweden in dieser Situation. Sie holten sich nicht nur die Medaillen, sondern holten auch noch viele Schläge auf die Deutschen auf, die aber sichtlich schon abgeschaltet hatten, um sich – vor allem akustisch ¬– bereits auf den Damenbewerb zu konzentrieren.

Österreichs Damenteam mit historischer Chance
Und der Damenbewerb war wahrlich spannend. Nicht zuletzt der Umstand, dass alle Nationen (CH, SWE, GER) vor dem Finaltag schon austauschen „mussten“, trug dazu bei, dass unsere Damen nach zwei Tagen in Führung lagen. Und das obwohl man das Gefühl hatte, sie hatten ihr bestes Spiel noch nicht gezeigt. Das machte Hoffnung, vielleicht zu große Hoffnung. Die deutschen Damen starteten mit einer Traum-Eternitrunde in den Mannschaftsfinaltag und setzten sich damit knapp vor Österreich und Schweden an die Spitze. Mittlerweile frenetisch angetrieben von den Fans und den designierten Weltmeisterherren, ließen sie auch in der abschließenden Betonrunde – im bisherigen Bewerb eine Dominanz der Österreicherinnen ¬– keinen Millimeter locker und holten sich Gold. Österreichs Damen konnten an diesem Tag nicht zusetzen, kämpften aber das mittlerweile auch schon verloren gegangene Silber mit dem Minimalvorsprung von einem Schlag zurück. Ein wichtiger Erfolg, denn es sah schon nach einem „Einfädler“ beim letzten Slalomtor aus. So blieb es bei einem Steher im Steilhang, wo dann das Tempo für das Flachstück fehlte. Vergessen wir nicht, wie jung dieses Team ist und was mit konsequenter Arbeit hier noch alles drinnen ist.

Abschließendes Resümee zum Teambewerb
Das Resümee bei den Herren ist weniger rosig. Der Abstand zur Spitze ist gerechtfertigt. Zu viele Bausteine haben heuer gefehlt, um am Treppchen zu stehen. Vielleicht können wir aber die Enttäuschung nutzen und den einen oder anderen erneuernden Gedanken mitnehmen, um die lange Reise zu Gold antreten zu können.
Auffällig waren jedenfalls die Jubelstürme der zahlreichen deutschen und italienischen Fans. Auch die Schweizer waren gut unterstützt. Und da wir keine kühlen Nordländer sind, hat uns vielleicht auch etwas die Euphorie „von außen” gefehlt. Auch hier wird man in Zukunft nachdenken müssen. Denn dieser Anteil am Erfolg ist zwar schwer abzuschätzen, aber ich wage zu behaupten, dass die deutschen Mädels ohne die frenetischen Anfeuerungsrufe der zahlreichen deutschen Schlachtenbummler nur schwer eine solche Finaltagsleistung geboten hätten.

Bronzemedaille für Christian Freilach
Da man sich das Beste für den Schluss aufhebt, kurz ein paar Worte zum Einzelfinale am Samstag. Im Vorfeld heftig diskutiert, viel spekuliert und doch ein bisserl anders als man es sich vorstellt – so kann man das KO-Finale kurz zusammenfassen. Bei den Herren hatten wir sechs Spieler unter den besten 32;  Bester im Ranking war Christian Freilach, schlechtester bis dahin Manfred Lindmayr. Beide konnten ihre Erstrundenpartien gewinnen, mit Markus Berger gesellte sich noch ein dritter Österreicher zu ihnen ins Achtelfinale. Erfreulicherweise gewann das Trio auch in Runde 2 ihre Partien, wobei Manfred nacheinander den deutschen Meister und den deutschen Vizemeister (übrigens schon in einem KO-Finale ermittelt) aus dem Bewerb warf.

Mit den meisten Startern im Viertelfinale war auch die Medaillenchance für Österreich entsprechend hoch, zumal es hier ein Österreicherduell gab. In diesem setzte sich Christian Freilach klar gegen Markus Berger durch. Nachdem auch Manfred sein Semifinale gegen den Schweden Anders Olsson gewann, standen zwei Österreicher im Semifinale, wo Balzer und Templin (beide Deutschland) warteten. Zumindest eine Herren-Einzelmedaille war uns sicher, und mit ein bisschen Glück spielt Österreich sogar um den Weltmeistertitel. Manfred fehlte in seinem Duell gegen den späteren Weltmeister Marco Templin leider das in so einer KO-Partie auf Bahngewinn notwendige Quäntchen Glück. Obwohl in dieser Partie der bessere Spieler, musste Manfred letztlich zusehen, wie sein Kontrahent ins Finale einzog. Ebenso Christian Freilach, der leider sein tolles Eternitfinale vom Viertelfinale nicht wiederholen konnte und kurz vor der Zielflagge noch vom späteren Vizeweltmeister Marco Balzer abgefangen wurde. So kam es „nur“ zum kleinen Finale zweier Österreicher, wo bekanntlich einer leer ausgehen muss. Dies betraf Manfred, der eben noch miterleben durfte, wie seine Freundin Weltmeisterin wurde, und ein paar Minuten später selber auf Blech saß.

Der Weg ins Damenfinale
Lisa Gruber hatte es wie gesagt, wenige Minuten davor geschafft. Aber blicken wir kurz zurück: Lisa war nach der Vorrunde auf Platz 4 gesetzt. Bis zum Semifinale kam sie jeweils „souverän“ – sofern man das bei diesem System sagen kann – weiter. Auch das Semifinale gegen Tryntsje Schakel (NED) sah lange Zeit Lisa voran. Dann ein kurzer Ausrutscher am Favi, und schon war die Niederländerin am Drücker. Eine Bahn vor Schluss (Passage) stand es 3:3 unentschieden und so mancher dachte schon an ein Stechen. Lisa spielte vor und machte auf dieser schwierigen Bahn eine Drei. Alle rechneten jetzt mit einem Sicherheitsschlag von Schakel, um diese Bahn (und damit vielleicht auch schon die Partie) zu gewinnen. Aber es kam anders! Der erste Schlag – zu leicht. Ein Raunen ging durch die Menge. Noch immer konnte die Holländerin die Bahn gewinnen. Zweiter Schlag – ein Anschuss! Würde jetzt der Ball hinten nicht fallen, hätte Lisa den Finaleinzug wohl geschafft. Die Holländerin schaffte aber das Dritt-As, die Bahn ging somit unentschieden aus. Man kann sich wohl auch als Außenstehender den Gefühlszustand der Spielerinnen wie auch der Fans vorstellen, eine reine Achterbahnfahrt! Am Blitz legte Schakel eine Zwei vor und bot damit Lisa eine Chance, die sich diese nicht entgehen ließ und auf der letzten Bahn das Finalticket löste. Uff. Das war spannend.

Die letzten bangen Minuten
Im Finale spielte Lisa sehr stark auf, konterte voller Selbstvertrauen auf der 13er den Auslaufschmierer von Bianca Oberweg (vormals Zodrow) mit dem Turbo und war bald drei Bahnen voraus. Mit diesem Vorsprung ging es auf die letzten 4 Bahnen. Die Deutsche legte auf der Geraden mit Hindernisse vor und gewann diese Bahn. Die deutschen Fans erwachten und man erinnerte sich lauthals an die Semifinalpaarung Freilach gegen Balzer. „Marco sah auch schon als sicherer Verlierer aus und hat noch gewonnen!” wurde Bianca als Aufmunterung zugerufen. Und wirklich: wie Christian patzte auch Lisa beim ersten Schlag am Rohr. Ganz wichtig war aber ein toller zweiter Schlag, der zumindest den Druck auf die Deutsche erhöhte. Diese spielte aber ein perfektes Ass und war nun nur noch eine Bahn zurück. Auf der Passage passte aber das Spieltempo der Deutschen nicht 100%ig und der Ball kam nicht. Das war die Chance für Lisa! Mit einem Ass konnte sie die Show beenden. Und das auf der Bahn, wo sie im Semifinale noch so zittern musste. Es war wie im Drehbuch eines Hollywoodfilms. Jeder Zuschauer wusste um die große Chance für Lisa und es wurde gespenstisch ruhig am Platz. Eben haben sich die beiden Fangruppen noch mit ihren Anfeuerungsrufen übertönt und nun herrschte absolute Stille. Alle drängten noch ein wenig näher an das Geschehen, regten ihre Köpfe, um die Schlagbewegung von Lisa, den Eingang des Hindernisses und den Endkreis zu sehen. Ungehinderten Blick hatten die Spieler der beiden Herrenfinali, die natürlich ihr Spiel unterbrachen, um bei der Damenentscheidung zusehen zu können.

Und nach einer endlos lang erscheinenden Konzentrationsphase schlug Lisa endlich den Ball. Langsam rollte er in Richtung Hindernis und war gut gespielt – ich kann mich nur an das mit Zuversicht ausgestoßene „Stich” aus den Kehlen der österreichischen Vertreter erinnern, die den Ball zu einem direkteren Stoß Richtung Hole verhelfen sollten. Jedem war klar, wie wichtig uns dieser Moment, dieses Ass, dieser Weltmeistertitel ist. Und der Ball tat, was ihm befehligt war. Grenzenloser Jubel im österreichischen Lager – und nicht nur da. Auch anderswo war man über die musikalische Abwechslung bei der Siegerehrung hoch erfreut.

Ich durfte bei allen Einzeltitel seit 1995 dabei sein und jeder Titel war inspirierend – in diesem Fall besonders, weil eine kleine Nation durch diese Goldmedaille so spürbar zusammengerückt ist. Dies kam besonders bei der Siegerehrung zum Ausdruck.

„Land der Berge“ a capella
Die Abschlussfeier war der Höhepunkt einer mäßig organisierten Weltmeisterschaft. Man hatte stets das Gefühl, dass besonders die für gutes Geld engagierten Professionisten (Agentur EoIpso) es gar nicht so professionell im Griff hatte. Aber ein Rahmenprogramm, das fast in einem Eklat geendet hätte, und ein kaltes, schlechtes Essen auf Papptellern mit Plastikbesteck in einem ganz schlecht ausgeleuchteten Innenhof waren dann mehr als nur keck. Trotz dieser widrigen Umstände feierten wir unsere Medaillen als wären sie aus Gold.
Besonders als die Hymne für Lisas Goldene ertönte, ging wieder ein kleiner Ruck durch die Mannschaft. Da es der italienische DJ nämlich nicht schaffte, wenigstens die erste Strophe komplett auszuspielen, intonierte das Team – und wir sind bei Gott nicht bekannt für so eine Aktion – mit mehr als nur stolzer und lauter Stimme die Hymne a cappella an. Es war vielleicht nicht jeder Ton getroffen, aber die Bahnengolfwelt weiß jetzt, dass man uns unsere Hymne niemals nehmen kann ….

Verfasser: Markus Berger

Das Finale der Oberösterreichischen Bahnengolf Freiluftlandesmeisterschaft 2011/2012 fand am Sonntag den 17.06.2012 auf der wunderschönen Betonanlage in Steyr-Münichholz statt.


Verfasser: walter.harris

Mit einigen Abstand nach einer berufsmäßig sehr fordernden Zeit und einer anschließenden heftigen Grippe kann ich gerne "Berichten".


Verfasser: walter.harris

Die Wiener Mannschaften dominierte die Allgemeine Klasse beim Bundesländercup 2012 in Eferding, aber was bei den Herren um Platz 2 geliefert wurde, das verdient das Prädikat „Besonders spannend!”.


Verfasser: walter.harris

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