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Nass und kalt aber dafür wenigstens windig!


Kategorie: Bewerbe
Datum: 03.09.2008

Bewerbe

Bei der EM der allgemeinen Klasse im finnischen Tampere hatten dieses Mal die anderen Nationen die Nase vorne. Die österreichische Auswahl kam ohne Medaille nachhause. Teamspieler Markus Berger resümiert.

Ambivalent ist wohl der Begriff, der am Besten dazu passt, wie man die Erwartungen an die allgemeine EM 2008 beschreiben durfte. Einerseits war nach dem erfolgreichen Nationencup doch der eine oder andere Traum aufgefrischt worden. Allerdings war die personelle Decke sowohl bei den Damen als auch bei den Herren durchaus ausgedünnt zu bezeichnen. Bei den Herren musste man Robert Konrad und kurzfristig auch noch Philipp Albrechtsberger vorgeben. Somit kam es zum Debüt von Martin Knapp und Jürgen Bertel. Einen „Rookie“ wenn man so sagen darf, gab es auch bei den Damen. Für die Senioren EM hat es für sie nicht gereicht und Teamchef Schaller war wohl froh darüber. Denn mit Ilse Berger konnte er eine vierte Dame mitnehmen. Fraglich war auch die Form von Andrea Hackl, die heuer hartnäckig an Ihrem Spiel arbeiten musste um ansprechende Ergebnisse erzielen zu können. Also die Qual der Wahl hatte der Teamchef heuer nicht.

Trainiert wurde wie schon in Canegrate eifrig und intensiv. Das Wetter (immer wieder Regen, kaum 20 Grad und Wind in tlw. Sturmstärke – bis zu 80 km/h) machte es nicht einfach auf einigen Bahnen das Idealmaterial zu finden. Von Tag zu Tag machte sich mehr Müdigkeit breit – denn permanent die Bahnen von Nässe oder Birkendreck, der vom Wind verfrachtet wurde, zu befreien, war kein Honiglecken. Da freute man sich schon auf das eingeteilte Training, wo freie Halbtage zur „Pflicht“ wurden.


Fotocredits@Norbert Wagenhofer

Nachdem Jürgen Bertel sichtbar am meisten (vor allem mit Beton) zu kämpfen hatte und bei den Damen von vornherein klar war, dass Ilse Berger Ersatz spielen würde, ging es dann am Mittwoch in den Bewerb.

Herren mit Problemen auf Miniatur
Die Herren konnten zu Beginn ganz gut mithalten; spielten mit 168 eine sehr gute Betonrunde. Auf Eternit lief es aber in keiner einzigen Runde ganz nach Plan und bald verlor man etwas Boden und es blieb nur Schweiz in Reichweite. Vor dem Mannschaftsfinale am Freitag waren wir dann mit den Eidgenossen schlaggleich. Bis dahin war eine mannschaftliche Geschlossenheit bei den Ergebnissen zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt war man inkl. Ersatzmann Jürgen (der sich im Bewerb deutlich steigerte) innerhalb von sieben Schlägen. Letztendlich fehlte es am Finaltag auf Eternit an Spielglück (4 Rohrausbleiber) und auf Beton ging es auch mit der mannschaftlichen Geschlossenheit weiter bergab. Der Kampfgeist war durch einige Eigenfehler gebrochen.

Damit erheblicher Rückstand auf SUI und Bronze. Sowie keine Topresultate im Einzel. Während bei der deutschen Equipe kein Spieler über 199 auf 8 Durchgänge abschloss, war dieses Score Österreichs Bestscore bei den Herren. Wie es der Teufel so will, bedeutete dies auch das Manfred Lindmayr und Christian Gobetz mit diesem Score als Nr. 16&Nr. 17 der Vorrunde gegeneinander antreten musste. Der Rest fasste durchwegs große Kaliber (Ryhn, Spescha, Olsson, Balzer) aus.

Während Spescha Vitus Jürgen Bertel mit einer Mega-Ass-Serie keine Chance ließ waren die restlichen Österreicher durchwegs als Favoritentöter unterwegs. Somit waren 4 Österreicher in der zweiten Runde (mehr als in Canegrate im Vorjahr).

Damen ohne Chance
Im Damenmannschaftbewerb zeigte sich, dass Andrea Hackl das Formtief nicht abschütteln konnte und die Medaillenträume nach Hälfte des Bewerbs ausgeträumt waren. Allerdings muss man auch einräumen, dass Deutschland, Schweden und vor allem Schweiz sehr souverän agierten und es kaum möglich war, dieses Jahr mitzuhalten. Hier zeigt sich wie wichtig eine gute Personaldecke in Zukunft sein wird, um Formschwankungen ausgleichen zu können.
Den Kritikern im Forum sei an dieser Stelle gesagt. Hätte man, wie verlangt, nach zwei Doppelrunden getauscht, wäre das Ergebnis schlechter gewesen. Unnötig zu erwähnen, dass diese Meldungen dem Nationalteam nicht hilfreich sind.

Lisa Berger-Rella war aus österreichischer Sicht die überragende Spielerin der Vorrunde. Um fünf Schläge besser wie die besten österreichischen Herren belegte sie nur knapp geschlagen Platz 2 nach 8 Runden bei den Damen.

Sie und Lisa Gruber komplettierten das Feld für das Achtelfinale mit den 4 Herren, die die erste Runde gewonnen hatten. Was folgte war der Supergau. Sechs Duelle und alle verloren. Somit kein Österreicher mehr zum Anfeuern im Viertelfinale. Keine Medaille für Rot-Weiß-Rot. Resignation und Ernüchterung machte sich breit. Frustkäufe an Bällen, Trainingsrunden auf Filz (Tampere hat eine Kombianlage mit 3 Systemen) und für Herby das Versenken seines geliebten Wolfi-Balles. So versuchte man sich über das Viertelfinale zu retten um dann bei Semifinale und Finale wieder als Zuschauer dabei sein zu können.

Atemberaubendes Damenfinale
Die letzten 2 Runden waren teils spannend teils eindeutig. Wirklich Spannung kam dann beim Damenfinale auf: Durch das fragwürdige System (der/die führende Spieler/in hat das Vorspielrecht, so lang bis er/sie überholt wird) spielte Sandra Wicki hinter der eine Bahn in Führung liegende Nicole Piechotta. Auf Beton 13 + 14 konnte sie die Zweier-Auflagen der deutschen Sportsfreundin nicht nutzen und jeder glaubte schon das sei es wohl gewesen. Aber da die Deutsche auch Bahn 17 nicht asste, nützte die Schweizerin ihre letzte Chance und zog mit einem As gleich. Somit ging es auf Eternit weiter mit dem Stechen. Die Deutsche spielte vor und machte ein As an der Schleife. Nun die Schweizerin. Aber jetzt kam sie ins Zwischenfeuer der deutschen Maschinerie. Harald Erlbruch, der kurz zuvor auf Bahn 13 einen 3-Bahnenvorsprung holte (und damit de facto uneinholbar vorne lag), dies absichtlich nicht feierte weil seine Kollegin Piechotta auf der 17 am Abschlag stand – ließ nach seinem 17er As und den damit verbundenen EM-Titel einen Anfeuerungsruf für seine Mannschaftskollegin los, die ein paar Meter weiter um Ihre Goldene zitterte. Es folgte Applaus und Gratulationen und damit musste sich Sandra Wicki nochmals neu fassen.


Fotocredits@Norbert Wagenhofer

Unverständlich für mich, wie die Schweizer Coaches und auch die Schiedsrichter diese Situation (Abschlußschlag bei den Herren bei gleichzeitigen Stechen um Damengold) zulassen konnten. Kurz zuvor wurde dies auf Beton noch hervorragend unterbunden. Tja – man kann jetzt auch noch bemerkt haben, dass Harald Erlbruch beim Stand von 3 vorn an einem 14er As gar nicht interessiert war. Aber ob dem so ist, und wie es dazu kam, ist wohl schwer zu deuten.

Zurück zum Damenstechen. Trotz zweitem Konzentrationsversuch schaffte die Eidgenossin ein As und blieb damit im Titelrennen. Zwei Asse am Geradschlag und die Pflichtübung „3 Bander am Blitz“ – für Piechotta kein Problem. Die Schweizerin zeigte abermals Nerven und setzte Ihren Schlag an die rechte Kante. Aber wie von Geisterhand und – fast als Verhöhnung des deutschen Nationalstolzes – nahm der Ball Kurs Richtung linke Bande und von dort direkt aufs Loch. Raunen und Staunen bei den Zuschauern. Nun (im Stechen wurde das Vorspielrecht wieder gewechselt) legte Sandra Wicki am schweren Favoritentöter vor. Ein As. Aber kalt wie ein Eisblock reagierte Nicole Piechotta. Die Goldmedaille am Blitz schon fast in Händen, ließ sie sich hier nicht aus der Konzentration bringen und lieferte ein perfektes As ab. Unglaubliche mentale Stärke. Aber auf der nächsten Bahn drehte sich das Blatt wieder. Ein Zwei eröffnete Sandra Wicki die Möglichkeit auf den Europameistertitel und sie nutzte die Chance auf ein musikalisches Alternativprogramm bei der Abschlussfeier. Unzählige Dankesgebete in den verschiedensten Sprachen Europas waren wohl erhört worden.

Unter der Rubrik was sonst noch auffiel:

•    Die Abschlussfeier hatte einige Überraschungen zu bieten: Ein Moderation die bestes Entertainment bot. Noch nie so geschmunzelt und amüsiert bei einer Abschlussfeier, wie bei Iiro Tuomola, dem finnischen Verbandspräsidenten, der mit kühlem Wortwitz das Auditorium unterhielt. Zur Siegerehrung wurde dann der gesamte, 1.000 Leute fassende Zuschauerraum in einem Freilichttheater Richtung See gedreht!! (Zuerst konnten wir die Anweisung „Fasten your Seatbelts“ nicht deuten!)
•    Die Schiri´s waren hart aber Herr der Lage– wenn auch manchmal überhart. Wenn man einen kompletten 10er Endkreis samt Banden trockenlegen muss, sollte man nicht auf die 60 sec. Regel beharren.
•    Unsere österreichischen Rookies lieferten ansprechende Leistungen ab. Respekt. Sie werden in Zukunft vielleicht für zusätzlichen Druck in der Quali sorgen. (auch wenn sich schon die nächsten Cracks Spielpausen angekündigt haben)
•    Das „mobile-Scorecard-keeping“ am Platz hat sehr gut funktioniert. Auch für die Leute vorm PC war es eine sicher spannende Geschichte. Leider war am Platz selbst die Übersichtlichkeit trotz Beamer und Bildschirme nicht immer gegeben. Papier od. nicht wechselnde Displays wären hier in der Zukunft nötig.
•    Die Organisation der Finnen war tadellos. Aber das durfte man sich erwarten – sie sind halt keine Italiener. Das muss man aber auch beim Essen akzeptieren.

Verfasser: Markus Berger

Das Finale der Oberösterreichischen Bahnengolf Freiluftlandesmeisterschaft 2011/2012 fand am Sonntag den 17.06.2012 auf der wunderschönen Betonanlage in Steyr-Münichholz statt.


Verfasser: walter.harris

Mit einigen Abstand nach einer berufsmäßig sehr fordernden Zeit und einer anschließenden heftigen Grippe kann ich gerne "Berichten".


Verfasser: walter.harris

Die Wiener Mannschaften dominierte die Allgemeine Klasse beim Bundesländercup 2012 in Eferding, aber was bei den Herren um Platz 2 geliefert wurde, das verdient das Prädikat „Besonders spannend!”.


Verfasser: walter.harris

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