Es ist 09:34, 08.03.2021

Der Buli-Saison-Rückblick eines "First Losers"!


Kategorie: Player

Player

Markus Berger analysiert...

Samstag Finaltag der Bundesliga - 3. Runde Bahn 17 (wir sind kurz davor Tages-Vorletzter zu werden und hatten am Vortag den Kampf um Gold verloren):
"Ich sehe in meine Scorekarte und da steht es "Loser" - ein handschriftlicher Vermerk eines "Goldjungen" der mich daran erinnern soll wo ich stehe! Das tut gut, erinnert zu werden, und ich schreibe darunter "Proud 2b Second!"
Und es ist nicht nur ein Spruch – ich bin es auch!! Wie kann das sein? Zur Beantwortung dieser Frage bitte weiterlesen …..

Der ganz persönliche Kreuzweg (Buli-Saison 2005) des Setz 2 des BGC-Wien:

Es war ein kalter langer Winter 2005 in Wien Floridsdorf . Kaum jemand kommt beim Anblick der Eis- und Schneewüste auf erwärmende Minigolfgedanken. Außer, ja außer wenn man erstmals eine warme Miniaturhalle hat. So war es heuer erstmalig, und eigentlich möchte man meinen, das wäre die ideale Vorbereitungsgrundlage für die früh beginnende BULI-Saison. War es auch - aber mehr für den größten und stärksten Konkurrenten, der sie besser und intensiver nutzte als der Heimverein!

Ich gebs zu: Mitte März war ich etwas ratlos und geknickt, was den Ausblick auf die BULI-Saison betrifft. Die Spieler unseres Kaders waren entweder nicht in Form oder trainierten erst gar nicht und die Bezirkskollegen - ihresgleichen Titelverteidiger, spielten das Rumpfteam des BGC-Wien regelmäßig schwindlig. Ich schätzte zu diesem Zeitpunkt den Niveau-Unterschied auf 2 ganze Spielklassen – so hoffte ich auf einen ordentlichen Lauf um überhaupt um die Medaillen mitspielen zu können. Noch dazu, wo gleich als erste Runde unser Debakelplatz von 2002 - der Wasserpark wartete. Tja - sogar innerhalb des Vereins hörte man so was in der Art "Bundesliga - was macht ihr eigentlich dort - das kann ja nix werden!"

Obendrein gleich ein weiterer Dämpfer - EM Starter Thomas Scheidl stand bei der der ersten Doppelrunde nicht zur Verfügung. Und weiter gings: Beim ersten Wasserpark-Turnier bekamen wir trotz guten Trainings die Hucke voll und im Forum stand es schwarz auf weiß geschrieben - mit dieser Leistung wären wir bei einer Buli hochgerechnet 5. geworden. Meine Erwartungshaltung fand also Bestätigung! Selbst die größten Optimisten hofften nun auf ein Blaues Auge im Wasserpark, um bei den Folgerunden vielleicht was aufholen zu können. Außenstehende und Konkurrenten hatten uns schon lange auf keiner Rechnung mehr.

Trainiert wurde trotzdem eifrig - die Wasserpark Fanatiker (Manfred, Rudi & Co.) waren permanent auf der Anlage anzutreffen und zogen die etwas weniger Begeisterten in ihren Bann. Dann am letzten Trainingstag ein kleiner Paukenschlag: Eine 35,00 Schnittrunde. Upps - was da los, fragte ich mich kurz - aber bevor man sich es versah, legten wir bald darauf gleich wieder eine „deutlichst über 40er Runde“ ein. „Die 35er Runde ein Ausrutscher also, aber ein netter, dachte ich mir!“

Dann Bewerbsbeginn! Und 35,00 spielten wir wirklich nicht mehr – sondern …

Lindmayr 28, Berger 29 - der Jahrhundertstart war perfekt - ehrlich gesagt ich wußte nicht, wie mir geschah - voller Euphorie und Spaß, den vor allem unseren Bezirksnachbar zusätzlich anheizte, in dem man sich gleich nach 2 Setznummern in Nervosität auflöste (wg. 8 Schläge Rückstand??). Ich dachte mir: "Die Spinnen komplett - WIR!!! – WIR!!! die angesagten Loser sind doch keine Gegner!“

Tja - aber irgendwie steckte es die Mannschaftskollegen an und aus dem Jahrhunderstart wurde ein „Jahrhundertscore“ (zumindest für uns in der damaligen Situation). Unbeeindruckt spielten wir den Tag nach Hause - ohne jegliche Chance für die Konkurrenz. Tja was soll man dazu sagen - außer GEIL! So ein Spiel hätte ich bis dato nur ein paar verrückten Schweden zugetraut.

Der 2. Tag ähnliches Bild zu Beginn - Euphorie im eigene Team - hektisches Treiben beim Favoriten. Ich packte es noch immer nicht, dass man uns als Gegner ernst genommen hat - für mich unverständlich irgendwie. Ähnlich erfolgreich spielten wir den 2. Tag und eigentlich profitierte der Gegner voll von fehlender Routine. Denn mit 4 oder 5 Puttfehler (mehr sollte eine Bundeligamannschaft nicht machen) hätten wir auch den 2. Tag gewonnen. Sprich vom Abschlag waren wir wieder überlegen. Wer hätte das gedacht - als Führender vom Wasserpark sich verabschieden. Ich konnte mein Glück kaum in Worte fassen. Am „happigsten Platz“ der Welt waren wir die Kaiser. WIR, die „Abgeschriebenen“.

Dann Steyr - schön langsam drängte man von außen die BGC-Wiener in die Favoritenrolle - ich lächelte darüber und dachte mir wie schnell sich die Wendehälse drehen. Egal - trainiert wurde vom Team fast ebenso intensiv - aber eine kompakte Mannschaft waren wir nicht. „Egal - schauen was passiert“, war meine Devise. Unser Erfolgserlebnis hatten wir ja schon im Rucksack. Und ein Abbild zum Wasserpark vollzog sich - wieder elendig viele Puttfehler (diesmal gleich von mehreren Spielern) und trotzdem ein ansprechendes Score - geschlagen nur vom Titelverteidiger, der diesmal alles richtig gemacht hat und von Beginn bis zum Schluss unanfechtbar war. Mir war es egal - ich hatte meinen Spaß, weil nun waren wir an der Tabelle dem 4. Rang schon ziemlich enteilt. Wer hätte daran geglaubt: nach 3 Runden mit Polster auf die „Blecherne“! Am Abend noch eine kleine Analyse mit Manfred - warum wir diesmal hinten waren (alleine das tat gut - so etwas analysieren zu können) Und wir stellten fest, dass uns die tiefen Topscores fehlten - mit einem Lächeln und nicht ganz ernst gemeint sagte ich zu Manfred - die müssen wir Zwei halt morgen liefern!

Gesagt getan: Manfred Lindmayr 93, Markus Berger 94, aber wegen abermaliger Puttfehler in der Mannschaft sowie Materialprobleme (Schläger verbogen) und das eigentlich eher unglücklich im Spiel, kam es zum knappesten aller möglichen Spielstände. Hier zeigte der mental starke und wild entschlossene Schlussmann sein Können, Rudi erfuhr erst unmittelbar vorm Entscheidungsschlag am Blitz um die Notwendigkeit des Asses. Motiviert bis in die Zehenspitzen machte er sein As! 2. Tagessieg. Es soll „unerwähnt“ bleiben, warum es kein geteilter Tagessieg wurde. (Habe ich jetzt ein „Déjà Vu“ beim Lesen? – irgendwoher kenne ich diese Redewendung doch?) ?

Ich war außer mir vor Freude. 2 Tagessiege - absolute Spitzenscores und dies an 2 verschiedenen Spielorten. Ich „packte es einfach nimma“. Silber stand damit so gut wie fest und das alles noch vor Bludenz. Natürlich hab ich uns das „nie und nimmer“ zugetraut - aber nach 4 Top Buli-Runden mußte ich mich mit dem Gedanken abfinden: „Wir waren einfach wirklich gut!“. Zumal die Ergebnisse nicht auf Schwächen der Gegner schließen ließen. Tja - Geil! Mir läuft heute noch die Gänsehaut runter - wenn ich an Rudi´s As am Blitz denke. Und der Rückstand auf Gold war nun gerade ein Schlag. Einfach „unpackbar“!

Tja - noch intensiver wurde man in die Favoritenrolle gedrängt - vielleicht auch deswegen weil man wieder einen anderen Sieger sehen wollte - ich sah es irgendwie noch immer anders gefärbt! Aber was soll es – wenn das unsere einzigen Probleme sind, dann kann es ja nur gut sein, oder?

Dann Bludenz - Der Bewerb begann wie die anderen auch - wir spielten wieder besser als unsere Trainingsleistungen waren, und es zeigte sich, dass auf Beton, wo Glück ein bisserl mehr bestimmendes Element ist, die Mannschaften näher zusammenrückten. Runde 2 und 3 waren dann schon eher auf Trainingsniveau und plötzlich war man 5. Die Analyse war einfach - dieses mal war keine deutliche Steigerung zum Training zu sehen und außerdem hatten wir auch so etwas wie „Unlauf“ - blöder Weise halt auf einem Platz wo das nicht Platz 2 oder 3 bedeutet sondern eben 5. Wie auch immer - dieser Umstand war für die Meisterentscheidung wahrscheinlich sowieso irrelevant - denn der Meister zeigte Klasse und wohl nur unter sehr dubiosen Umständen hätte sich was an der Endwertung getan – auch, wenn wir an diesem Tag 2. oder 3. geworden wären.

Der letzte Spieltag war dann natürlich eine müde Angelegenheit. Es gab schlichtweg nichts mehr zu erkämpfen, denn schon nach 4 Setznummern in der 1. Runde war auch klar, dass selbst ein Tagessieg außer Reichweite lag. Und dann war es ein reines um die Ecke bringen. Kein Wunder, alle Luft war draußen! Jeder einzelne versuchte sich noch irgendwie zu motivieren – aber mit Mannschaftsmotivation war es natürlich vorbei. Eh klar! Vielleicht sollte man es als Ausruhen am wohl verdienten Polster betrachten – aber als ehrgeiziger Sportler ist das schwierig – auch wenn es noch so berechtigt scheint.

Am Ende: "SILBER" - wer hätte das vor der Saison gedacht!
Stolz trug ich die das Edelmetall vom Podest bis ins Quartier zurück - was für eine Saison!

Und die Zukunft? - irgendwie derselbe Ausblick wie letztes Jahr. Für Runde 1 haben wir schon wieder Absagen - von der Frühjahrstopform sind wir mannschaftlich wieder weit weg- damit sind wir wieder ein Rumpfteam und wieder kein ernsthaftes Herausforderer-Team. Der Ausblick somit ein ähnlicher wie letztes Jahr - nur eines ist anders: Das Wissen um das Mögliche - das wird uns niemand nehmen können. Genauso wie der Vizetitel 2005 - ich find es noch immer - MEGAGEIL!

"Second place is the first loser" - sagt man als überheblicher Sieger. Für mich war dieser 2. Platz in seiner Entstehung einer meiner größten Triumphe meiner Karriere. Und ich bin nicht eine hohle Marionette dies zu vergessen - nicht am Tag der Siegerehrung, nicht heute und auch in der Zukunft nicht. Dagegen helfen weder konstruierte "Kartenhäuser" noch "Gamemanship" nach allen Regeln dieser fragwürdigen Kunst.

Ich hoffe, es wird nun auch für andere klar, welcher Geist und welche Passion in mir eine Saison lang loderte um selbst nach der letzten Runde, den gleichen Stolz wie nach der ersten Runde in mir zu tragen.

Verfasser: Markus Berger


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